Weimarer Täterorte der NS-Eugenikverbrechen

Kaum bekannt: In diesem Gebäude befand sich das Gesundheitsamt des Stadtkreises Weimar. Die hier tätigen Amtsärzte veranlassten Hunderte Zwangssterilisationen an Weimarer Einwohner*innen. Die Täterorte der NS-Eugenikverbrechen waren Krankenhäuser, Gesundheitsämter, Heilanstalten, Wohlfahrtsämter, Kinder- und Altersheime und damit Teil des Alltags und des Stadtbildes.

Wenn wir an die Zeit des Nationalsozialismus denken, dann denken die wenigsten an ein Massenverbrechen, das in Krankenhäusern, Heil- und Pflegeanstalten, Gesundheitsämtern und Heimen ermöglicht und durchgeführt wurde: die systematische Sterilisierung und Ermordung von kranken, unangepassten, geistig oder körperlich beeinträchtigten Menschen. Ca. 400.000 Frauen, Männer und Jugendliche sind zwangssterilisiert worden, rund 300.000 Opfer der Krankenmorde sind bisher gezählt.

Bisher erinnert im öffentlichen Raum unserer Städte und Dörfer kaum etwas an diese Verbrechen: Wir laufen am damaligen Gesundheitsamt, Standesamt, Krankenhaus, an Altersheimen und Schulen vorbei und erfahren nicht, was hier geschah. Was wissen wir darüber, was mit Neugeborenen, die eine Behinderung hatten, passierte; oder was mit kranken, hilfsbedürftigen oder sozial unangepassten Menschen in den damaligen Erziehungsheimen, Heil- und Pflegeanstalten und Krankenhäusern geschah?

Bei diesen „Ortsbegehungen“ zu zwei Weimarer Täterorten nehmen wir uns viel Zeit. Statt nur wenige Minuten pro Rundgangsstation zu haben, bleiben wir jeweils ca. eine Stunde am ehemaligen Landesamt für Rassewesen in der Marienstraße 13-15 und vor dem ehemaligen Gesundheitsamt am Burgplatz 2. Hier beschäftigen wir uns im Detail mit zwei Institutionen, die die gesundheits- und rassepolitischen Vorstellungen der Nationalsozialisten rücksichtslos auf regionaler und lokaler Ebene vorangetrieben und umgesetzt haben. Sie können stellvertretend für Behörden und Institutionen stehen, die es zahlreich landauf – landab gab: Die Eugenikverbrechen fanden nicht irgendwo statt, sondern vor der Haustür.

Kosten: zwei- bis dreistündiger Rundgang mit zwei Stationen: 130,- €