Anneliese Meister

Gretelweg 5
verlegt am 16.8.2021

HIER WOHNTE
ANNELIESE MEISTER
JG. 1927
AB 1942 FÜRSORGEHEIME
VERHAFTET 8.4.1944
ALS ASOZIAL STIGMATISIERT
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ, RAVENSBRÜCK
ZWANGSARBEIT
SCHICKSAL UNBEKANNT

 

Anneliese Meister, 1927 in Jena geboren, wächst im Norden Weimars auf, im „Blechbüchsenviertel“. Ihre Familie muss oft innerhalb Weimars die Wohnung wechseln, die Arbeit ihres Vater ändert sich häufig, bleibt aber stets prekär. Meist ist er als „Parkarbeiter“ gemeldet, 1937 wird er im Adressbuch als „Reichsarbeiter“ geführt, 1941 als Gärtner. Er überlebt seinen Kriegsdienst an der Front und arbeitet 1949 im Tiefurter Park. Seine Tochter Anneliese kommt aus uns unbekannten Gründen in staatliche Fürsorge und wird im Mai 1942, mit 15 Jahren, in ein Leipziger Mädchenheim eingewiesen.
In Leipzig beginnt ihre Odyssee von Heim zu Heim, von Lager zu Lager. Im Sommer 1942 ist sie in der Landesheilanstalt Stadtroda, im September wird sie in das Mädchenheim von Köstritz überstellt. Wie lange sie dort bleibt, wissen wir nicht.
Im April 1944, mit 17 Jahren, wird Anneliese durch die Kripo Weimar ins Vernichtungslager Auschwitz eingewiesen. Als Grund ist genannt: „Arbeitsscheue Zigeunerin“. Auch ist vermerkt, dass sie keine Vorstrafen hat, weder als „kriminell“ noch als politisch gilt. Das Mädchen kann als eine von wenigen das „Zigeunerlager“ von Auschwitz, das von 1943 bis August 1944 bestand, verlassen und leistet ab Mai 1944 im Frauen-KZ Ravensbrück bzw. ab Juli 1944 in dessen Außenlager Schlieben Zwangsarbeit. Im August 1944 kommt sie nach Altenburg, in ein Außenlager des KZ Buchenwald. Auf ihren Häftlingsunterlagen sind außer einem Brief keinerlei Besitztümer vermerkt – Anneliese hat nur, was sie am Körper trägt. Sie wird vom KZ gegen einen pauschalen Lohn, von dem freilich nur die Lagerleitung profitiert, in Rüstungsfabriken der HASAG, der Hugo-Schneider-A.G., eingesetzt. In Schlieben fertigt sie Munition, in Altenburg stellt sie auf dem größten HASAG-Werk des Deutschen Reichs mit über 3000 weiteren Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern aus ganz Europa Patronenhülsen, Panzerfäuste oder Granaten her. Der Einsatz der Zwangsarbeiter bei der HASAG folgt dem Prinzip „Vernichtung durch Arbeit“.
Ob sie noch vor April 1945 durch Hunger und Arbeit starb oder einen der Todesmärsche antreten musste, in die 1945 kurz vor Kriegsende auch die KZ-Häftlinge, die in Außenlagern für die HASAG arbeiteten, getrieben wurden, ist nicht bekannt.