Stolpersteine

„Über Stolpersteine sollen die Menschen mit dem Kopf und mit dem Herzen stolpern.“
Gunter Demnig

Seit 1995 verlegt der Künstler Gunter Demnig Steine mit einer Messingplatte im Pflaster europäischer Orte. Sie sollen den routinierten Gang der Passanten aus dem Takt bringen, sie gedanklich stolpern lassen: Ein Name ist eingraviert, Lebensdaten, ein Wort zum Schicksal: „deportiert“, „Flucht“, „ermordet“.

Die Stolpersteine erinnern an Menschen, die einmal hier gelebt und gearbeitet haben – und die während des Naziregimes hier gedemütigt wurden, von hier deportiert wurden oder geflüchtet sind, die hier ermordet oder in den Freitod getrieben wurden. Inzwischen, 2018, mahnen rund 69 000 Stolpersteine daran, dass das, was wir aus Geschichtsbüchern und Fernsehreportagen kennen, in unserer direkten Nachbarschaft stattfand, vor den Augen und Ohren unserer Vorfahren. Vor allem aber benennen die Stolpersteine jene, die anonymisiert wurden bis hin zu bloßen Nummern in Konzentrationslagern. An ihre Namen und ihre Geschichte soll an dem letzten von ihnen gewählten Wohn- oder Arbeitsort erinnert werden.

Inzwischen gelten die Stolpersteine in ihrer Gesamtheit als das weltweit größte dezentrale Mahnmal.

Stolpersteine in Weimar

In Weimar erinnern heute 34 Steine an Menschen, die in Weimar lebten, die jüdischen oder christlichen Glaubens oder nicht religiös waren, die politisch desinteressiert, deutschkonservativ, sozialdemokratisch engagiert oder kommunistisch orientiert waren, die kleine und große Geschäfte betrieben, die noch zur Schule gingen und im Garten spielten. Manche waren begnadete Sängerinnen und Sänger am Nationaltheater, manche waren Musiker, einige lebten sehr zurückgezogen, einsam oder im Kreis ihrer Familie.

Der erste Weimarer Stolperstein wurde 2007 für den Cellisten Eduard Rosé in der Marienstraße verlegt. Inzwischen liegen bei ihm auch zwei Stolpersteine für Rosés Söhne Ernst und Wolfgang, denen die Flucht nach Amerika gelang. Stolpersteine erinnern an die unfreiwilligen Bewohnerinnen und Bewohner zweier Weimarer Ghettohäuser: vor dem Brühl 6 und der Belvederer Allee 6. Einige liegen in der Schillerstraße 17, wo bis 1938 ein florierendes Kaufhaus von der jüdischen Familie Berlowitz geleitet wurde. Sie war gezwungen, es zu einem Spottpreis zu verkaufen und zu flüchten. Ein Stolperstein erinnert an die freigeistige Malerin Lucy Ortlepp, die mit ihrem Mann in einem im modernen Stil des Bauhaus errichteten Haus im Ratstannenweg lebte und die überraschend deportiert wurde. Ebenso erging es Rosa Schmidt, die am Bahnhof ein Hotel führte und lange ihre jüdische „Herkunft“ verheimlichte. 1944 wurde sie plötzlich, ohne Möglichkeit zum Abschiednehmen, nach Auschwitz deportiert. Kurt Nehrling dagegen wagte sich an die Öffentlichkeit: Wiederholt bemühte sich der Widerstandskämpfer, seine Arbeitskollegen auf dem Polizeipräsidium zu kritischem Denken anzuregen. 1942 wurde er denunziert und ermordet.

In Weimar liegen bis dato an 16 Orten Stolpersteine, ihre Standorte können dieser Karte entnommen werden.